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Deichbau zwischen Elbwiese und Listerfehrda

Per Brenner gegen Brennerhaare

23.02.2015

„Hurra, hurra, die Wiese brennt“, lässt sich ein Popsong früherer Jahrzehnte abwandeln. Denn was Wolfgang und Marcel Barduhn gegenwärtig treiben, sollte die beim Deichbau Beschäftigten wirklich freuen. Die beiden und ihr Kollege beseitigen auf der Elbwiese zwischen Listerfehrda und Elster mittels Gasbrennern potentielle Gesundheitsgefahren. Die lauern in den klitzekleinen Härchen des Eichenprozessionsspinners (siehe auch: „Raupenhaare bleiben immer gefährlich“).
Da die Nester, in die sich die Raupen nachts und zum Häuten zurückziehen, über den Winter als Hinterlassenschaften an den Bäumen bleiben, halten sich dort auch die bedrohlichen Haare. „Wind und Regen zerstören mit der Zeit die Nester“, weist Marcel Baduhn gestern auf eines der zahlreichen Beispiele. „Sie fallen irgendwann auf den Boden. Und der Wind verteilt die Härchen im weiten Umkreis“.

Einige schon krank geworden
Seitdem die Deichbauarbeiten in diesem Areal begonnen haben, „sind Beschäftigte dort tatsächlich krank geworden“, schildert Projektleiterin Barbara Gurschke vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz die Situation. „Wir müssen dort als Bauherr also dringend etwas für die Gesundheit und den Arbeitsschutz der dort Beschäftigten unternehmen“, erläutert sie auf Anfrage der MZ. „Auf etwa 1 000 Metern an unserer Baumaßnahme lassen wir die Wiese abbrennen, um damit die darauf verteilten Härchen der Raupen zu vernichten.“ Das wird etwa die gesamte Woche in Anspruch nehmen. In der kommenden Woche, so bestätigt Marcel Baduhn, werden die vorhandenen Nester von den Bäumen abgesaugt.
Die rund 85 Eichen, die nach den für den Deichbau notwendigen Fällungen in diesem Areal stehen bleiben, „sind voll von Raupennestern“, bestätigt Barbara Gurschke. Das heißt auch, dass die Gefährdung der Bauarbeiter schier unermesslich ist. Daher der hohe Aufwand, der die Vorbereitungen des Deichbaus um etwa zwei Wochen verzögern wird. „Wir kommen dann ab Montag mit einem richtigen Staubsauger und werden Nest für Nest von den Bäumen absaugen. Das Gerät ist vergleichbar mit einem Asbestsauger“, weist Marcel Baduhn auf die Aktivitäten in der kommenden Woche hin. Dann werden er und die Mitarbeiter der Schädlingsbekämpfungsfirma aus Bad Belzig sich selbst auch entsprechend schützen müssen. „Ja klar, das geht nur mit Atemmaske und einteiligem Arbeitsanzug“, bestätigt der Fachmann. Denn mit dem Sauger und auf der Hubbühne kämen er und seine Kollegen dann den Nestern mit den gefährlichen Haaren sehr nahe. „Die Anforderungen an den Arbeitsschutz hierbei sind in den letzten Jahren auch immer schärfer geworden“, bekundet er.

Noch vor der Vogelbrutzeit fertig
„Wir müssen in dieser Woche mit dem Abbrennen fertig werden, weil dann die Brutzeit der Vögel beginnt“, erläutert der Schädlingsexperte. Denn so, wie man nach dem Märzanfang keinen Baum mehr fällen darf, so muss man ab diesem Moment auch die Wiesen in Ruhe lassen - um die Bodenbrüter nicht zu stören. Auch aus diesem Grund ist die Reihenfolge der Arbeiten so gelegt worden. Das Absaugen der Bäume darf ganzjährig erfolgen, bestätigt Marcel Baduhn.
Ab heute wird zudem die Feuerwehr mit vor Ort sein. Insofern kann der gestrige Tag wohl als „Probetraining“ betrachtet werden. „Wenn sich zeigt, dass wir mehr Leute brauchen, werden wir dann zu fünft weitermachen. Es handelt sich doch um ein recht großes Gebiet.“ Da gestern Vormittag etwas Regen einsetzt, scheint die Brandgefahr - auch angesichts des noch recht kalten Bodens - eher gering. Aber sicher ist sicher.
Die in der kommenden Woche von den Bäumen gesaugten Nesselhaare der Raupen müssen gesondert entsorgt, das heißt verbrannt werden. „Wir bringen sie auf eine Sonderdeponie in Berlin“, so der Schädlingsexperte.

 

Text: Klaus Adam

Foto: Thomas Christel


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